Die Bodenarbeit

Was ist eigentlich bei der Bodenarbeit möglich?

Eigentlich alles, denn früher hielt man sich an den Grundsatz: "Was am Boden nicht klappt, soll unter dem Sattel nicht gefordert werden."

Leider ist diese sehr kluge Regel fast in Vergessenheit geraten. Heute herrscht das Denken vor, dass Pferde geritten oder allenfalls vor einen Wagen gespannt werden sollen. Auch wird immer öfters auch Freiheits-Dressur vorgeführt- meist im Zirkus oder an einer der vielen Pferdeshows.

Doch selbst an renommierten Ausbildungsstätten werden die Pferde vorwiegend unter dem Sattel trainiert, statt an der Hand auf die Aufgaben vorbereitet und geschult.

Wenn hier von einem "Reiter" die Rede ist, sind selbstverständlich beide Geschlechter gemeint, aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird aber auf die moderne Version (der/die ReiterIn etc.) verzichtet.

Würde der geneigte Reiter sein Pferd an der Hand sorgfältig vorbereiten wollen, müsste er sich viel intensiver mit den Aufgaben auseinandersetzen und als erstes lernen, hinzuschauen und die jeweilige Übung in ihren Zusammenhängen zu begreifen. Erst wenn er die Lektion beim Zuschauen wirklich verstanden hätte, dürfte er diese von einem gut ausgebildeten Schulpferd lernen - natürlich zuerst am Boden, dann erst im Sattel.

Die Schulen an der Hand werden vor allem noch an der Spanischen Hofreitschule in Wien und an der Königlichen Hofreitschule in Jerez praktiziert. Auch einige wenige Enthusiasten pflegen diese Kunst.

Passt das in unsere schnellebige Zeit? Kaum.

Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die lernen wollen! Sei es, weil ihre Pferde schon gesundheitliche Schäden haben, sei es, weil ihnen bewusst ist, dass die Gesundheit - sowohl die physische als auch die psychische - ihres Pferdes einmalig ist.

Eben diese Menschen möchte ich inspirieren, Wege aufzeigen, wie die Bodenarbeit spannend gestaltet werden kann. Diese Arbeit ist ebenso effizient für die Gymnastizierung und den Muskelaufbau wie als Aufbau während der Rekonvaleszenz-Phase, selbst wenn ein hoffnungsloser Befund der Schulmedizin einem eigentlichen "Todesurteil" gleichkommt.

Spass zu haben ist zwar wichtig, doch dies garantiert nicht den für das Pferd guten und gesundheitsfördernden Bewegungsablauf. Ein solcher ist aber extrem wichtig, denn sonst wird - selbst mit der besten Absicht - unter Umständen das Gegenteil erreicht: Das Pferd nimmt Schaden oder/und ist erst verunsichert und dann frustriert. Die Folge davon kennen wir wohl alle: Kranke, lahmende oder/und "sauer" gewordene und somit widersetzliche oder "abgelöschte" Tiere.

Ich möchte neue Horizonte eröffnen und zeigen, dass seriöse Arbeit ohne Hilfszügel möglich ist.

Man kann die Pferde an den "äusseren" Zügel arbeiten, ihnen das Weichen und Biegen am "inneren" Schenkel beibringen, die Aufrichtung, das Setzen, das Dehnen vorwärts-aufwärts und vorwärts-abwärts. Und dies alles in allen (!) Gangarten, bei fliessenden Handwechseln.

Sogar "hohe" Lektionen wie fliegende Wechsel, Piaffen, Passagen und Galopp-Pirouetten sind möglich.

Hierbei wird immer auf eine ruhige, im aeroben Bereich bleibende Arbeit geachtet. Nur so ist gewährleistet, dass unsere Tiere entspannt und mit Freude mitarbeiten. Stress und Atemlosigkeit "fressen" Muskulatur genauso wie sie das Lernen blockieren.

Neugierig gemacht? Gut! Das wollte ich erreichen. Und wie sieht es aus beim Reiten?